Stellungnahme zum aktuellen Stand der Debatte um die Trennung von Kirche und Staat

(via AHA.lu) Durch den Vorstoß parteipolitischer Initiativen und zivilgesellschaftlicher Organisationen wie AHA Lëtzebuerg konnte Kultusminister François Biltgen von der Christlich-Sozialen Volkspartei (CSV) endlich dazu gezwungen werden, sich mit der Frage nach den Verhältnissen zwischen Staat und Religion zu befassen. Im Folgenden nimmt AHA Stellung zu einigen Aspekten der aktuellen Debatte:

a) „Groupe de réflexion“

Das zwischenzeitliche Resultat der aktuellen Diskussion, die mit der parlamentarischen Orientierungsdebatte vom 7. Juni 2011 eingeleitet wurde, ist die Schaffung einer so genannten „groupe de réflexion“, die über die zukünftigen Verhältnisse zwischen Staat und weltanschaulichen Organisationen beraten soll und deren Zusammensetzung wie Missionsbeschreibung am vergangenen Mittwoch in der parlamentarischen Justizkommission vorgestellt wurden. Laut ihrer provisorischen Mission soll die „groupe de réflexion“ aus belgischen und französischen Experten zusammengesetzt sein, die einen vom Kultusminister vorgegebenen rigiden Fragenkomplex abarbeiten sollen, statt sich eigenständig Gedanken zu machen.

AHA steht der Zusammensetzung der „groupe de réflexion“ mehr als skeptisch gegenüber: erstens engt die Tatsache, dass nur belgische und französische Experten eingeladen werden, die Sichtweise der Arbeitsgruppe ein. Die zusätzliche Verpflichtung von deutschen, britischen und anderen Experten hätte wahrscheinlich zu einer weitaus offeneren Expertengruppe geführt. Zweitens bedauert AHA die Verlagerung der Debatte in einen geschlossenen Zirkel ausländischer Experten. AHA ist der Überzeugung, dass die Frage nach den Verhältnissen zwischen Staat und weltanschaulichen Organisationen nicht exklusiv in die Hände ausländischer Experten gehört, sondern vor allem im Rahmen einer öffentlichen, partizipativ ausgelegten Grundsatzdebatte behandelt werden müsste, in die neben den politischen Parteien auch die betroffenen Akteure vor Ort, darunter auch nicht-religiöse und laizistische Organisationen mit einbezogen werden.

AHA lehnt den Fragenkomplex, mit dem sich die Experten befassen sollen, strikt ab. Die Fragestellung ist nämlich äußerst suggestiv und drängt die Experten einseitig zu Antworten in Richtung des belgischen Modells. Anstelle davon müssten sich die Experten mit der zentralen Frage befassen, wie weltanschauliche Gerechtigkeit in Luxemburg erreicht werden kann.

b) Das belgische Modell und die geplanten „Maisons de la Laïcité“

Die „Maisons de la Laïcité“, die im Regierungsabkommen festgehalten wurden, sind ein Bestandteil des belgischen Modells, das Kultusminister Biltgen offenkundig anstrebt. Grob betrachtet würde dieses Modell dahin führen, dass die Privilegien der katholischen Kirche nicht abgebaut werden, wie es eine Trennung von Kirche und Staat jedoch erfordert. Stattdessen werden auch andere religiöse und nicht-religiöse Anschauungen finanziert: demnach weltanschauliche Gleichheit durch Aufrüstung anstelle von Abrüstung. Im Rahmen dieses Modells sollen durch die öffentliche Finanzierung von so genannten „Maisons de la Laïcité“ religiöse Privilegien gerechtfertigt und beibehalten werden. Staatlich finanzierte „Maisons de la Laïcité“ sind demnach nichts anderes als ein gefährliches trojanisches Pferd von CSV und Bistum. Insgesamt führt das belgische Modell zwar einerseits dazu, dass nicht mehr einseitig die katholische Kirche privilegiert wird, was man im direkten Vergleich zur aktuellen Lage als relativen Fortschritt deuten könnte, anderseits lässt es aber die entscheidende Frage offen, nämlich wer gemäß welcher Kriterien entscheidet, welche Religion oder weltanschauliche Organisation welche finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekommt.

AHA fordert als Idealmodell die klare finanzielle Trennung von Kirche und Staat, d.h. den Abbau von religiösen Privilegien anstelle des Aufbaus „laizistischer Privilegien“. AHA bleibt in der Debatte trotzdem dialog- und kooperationsbereit in Bezug auf die Ausarbeitung von Modellen, die eine Verteilung von finanziellen Mitteln vorsehen, die sich proportional zu den tatsächlichen weltanschaulichen Überzeugungen in der luxemburgischen Bevölkerung verhält – die erst einmal zu ermitteln wären – und damit der Selbstbestimmung des Einzelnen gerecht wird. AHA ist weiterhin der Überzeugung, dass kein Bürger gezwungen werden darf, Organisationen finanziell durch Steuergelder zu unterstützen, in denen es für Frauen in bestimmten Laufbahnen ein ideologisch motiviertes Berufsverbot gibt oder deren oberster Führer homosexuelle Menschen öffentlich als Gefahr für die Menschheit diskriminiert.

c) Die neue Strategie der katholischen Kirche

Mit der Ernennung ihres neuen Bischofs Hollerich hat die katholische Kirche in Luxemburg auch ihre Kommunikationsstrategie angepasst, die nun vor allem darin besteht, sich ein neues, weltoffenes und reformfreudiges Image zu verpassen. Besonderen Wert wird dabei scheinbar auf Dialogbereitschaft gelegt. Dieser Dialog – AHA konnte diese Erfahrung bereits machen – reduziert sich bisweilen aber nur auf Lippenbekenntnisse und wie wichtig es sei, miteinander zu reden. Solange die Kirche aber nur über das Reden reden will, sich aber im Schweigen übt, sobald es um konkrete Inhalte geht (z.B. Finanzierungsmodell, transparente Finanzen, usw.), ist dieser Dialog nicht viel wert und auch nicht fortzusetzen.

Allianz vun Humanisten, Atheisten an Agnostiker Lëtzebuerg a.s.b.l. (AHA), www.aha.lu (20. Januar 2012)

Trennung von Kirche und Staat: Biltgen fürchtet den Dialog

Im Rahmen der vom grünen Abgeordneten Claude Adam beantragten Orientierungsdebatte über die Trennung von Kirche und Staat hat das Parlament via LSAP/CSV-Motion beschlossen, eine „Reflexionsgruppe“ einzuführen, die über die zukünftigen Verhältnisse zwischen Staat und religiösen/philosophischen Gemeinschaften befinden soll.

AHA Lëtzebuerg hat diese Vorgehensweise in einer Pressemitteilung begrüßt und angeboten, als Vertreter der nicht-religiösen Gemeinschaft in dieser Gruppe konstruktiv mitzuwirken.

Als Co-Initiator der Petition für die Trennung von Kirche und Staat, deren rund 5.000 Unterschriften am 7. Juni 2011 in der Abgeordnetenkammer eingereicht wurden, konnte ich an einer sehr konstruktiven Unterredung mit der Petitionskommission teilnehmen. Das Ergebnis dieser Zusammenkunft war ein Schreiben an Premierminister Juncker mit der Bitte, Vertreter der nicht-religiösen Gemeinschaft in die Reflexionsgruppe mit einzubeziehen.

In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der DP-Abgeordneten Anne Brasseur hat Ressortminister Biltgen kürzlich präzisiert, dass die Gruppe in Kürze zusammengestellt und die potentiellen Vertreter angeschrieben würden.

Für einen Augenblick sah es also tatsächlich so aus, als könnte in der Frage nach der Trennung von Kirche und Staat endlich (zumindest ein Hauch von) Bewegung ins Spiel kommen.

Die Ernüchterung folgte jedoch prompt. Nun heißt es auf einmal, die Gruppe solle sich aus ausländischen Experten zusammensetzen, die sich in der Thematik besser auskennen und dem Konflikt mit größerer Distanz begegnen können. Eine Reflexionsgruppe mit betroffenen, einheimischen Vertretern könnte zu lebhaft ausfallen…

Diese Vorgehensweise ist an Feigheit und Absurdität kaum noch zu überbieten! Um letztere zu verdeutlichen, bietet sich ein Vergleich mit einem anderen politischen Konflikt an: wenn in Luxemburg nächstens wieder über den Index gestritten wird, wieso schicken wir dann die Herren Reding und Wurth, die stets für allzu lebhafte Verhandlungen sorgen, nicht einfach nach Hause und laden stattdessen Frau Merkel, die Herren Sarkozy und Barroso sowie ihre Berater ein, um über die Zukunft des Index zu befinden? In Sachen Wirtschaft verfügen diese Experten doch sicherlich über sehr weitreichende Fachkenntnisse und können sich dem Konflikt mit weitaus größerer Distanz und Sachlichkeit annehmen…

Doch zurück zum Thema. Wieso wählt Minister Biltgen diesen Weg? Ganz einfach: er hat keine Argumente. Abgesehen von der üblichen ablenkenden Floskel, dass Kirche und Staat in Luxemburg längst getrennt seien, womit er sagen will, dass es keine Staatskirche gibt, und der Ausrede, dass Religionsgemeinschaften besser kontrolliert werden können, wenn sie vom Staat finanziert werden (welch großes Vertrauen in Gottes Bodenpersonal!), hat Biltgen argumentativ nichts zu bieten, was der Forderung nach einer Trennung von Kirche und Staat widersprechen könnte.

Doch spätestens nachdem sich nun sogar Papst Benedikt XVI. für eine Abkehr von staatlichen Zuschüssen ausgesprochen hat, und der neue Erzbischof auf RTL selbst mit einem äußerst harmlosen Fragenkatalog konfrontiert schon Schlittschuhlaufen musste, weiß Minister Biltgen, dass die Gegner einer Trennung in Sachen Argumente sehr schlecht da stehen und im Rahmen einer offenen und fair besetzten Reflexionsgruppe gewiss den Kürzeren ziehen würden.

Affaire à suivre!

Wielers hire Wëllen

De 17. Oktober am Affekt vun de kommunalwielereche Nowéihen huet d’Käerjenger LSAP ëm den Yves Cruchten eis Demokratie feierlech begruewen, dat nodeems anscheinend weder déi gréng nach d’BIGK an d’CSV mat him koaléiere wollten, obwuel seng Partei de lokale Wahlgewënner ass. De Wielerwëllen, sou heescht et, wier net respektéiert ginn. Dofir kéint een eis Demokratie dann och direkt begruewen. Och an anere Gemengen, zu Beetebuerg, zu Iechternach, zu Réiser asw gouf de Wielerwëllen anscheinend mat Féiss getrëppelt.

Wielers hire Wëllen

Mä wien ass dee Wielerwëllen iwwerhaapt a wat well e vun de Politiker? Bei deenen engen heescht et, de Wieler wéilt, datt déi stäerkst Partei regéiere misst. Bei deenen aneren heescht et, de Wieler wéilt, datt de relative Wahlgewënner onbedéngt am Regierungsboot sëtze misst. Fir béides gëtt et Argumenter, déi dofir schwätzen. Am Endeffekt ass dat awer näischt anescht ewéi Geschwätz, well sou eppes wéi ee Wielerwëllen mat Bléck op eng bestëmmte politesch Koalitioun gesäit eise politesche System zu Lëtzebuerg guer net fir. Wuel géif de Wieler och an dir Fro e Wëllen formuléieren, mä de System freet net dono. Eise Wahlsystem léist de Wieler Parteien a Binette wëllen, awer keng Koalitiounen. Nodeems de Wielerwëllen iwwert d’Präsenz vun de Parteien an de Binetten an den zukünftege Gemengeréit geuerteelt huet, ass et dann um Parteien- a Binettewëllen ze bestëmme, wien mat wiem koaléiert an iwwert d’Gemeng regéiere wäert. Den eenzege Kritäre, deen dobäi erfëllt muss ginn, ass eng Koalitioun vu mindestens 50%. vun de Sëtz.

Wien déi stäerkst Partei ass a wien de relative Wahlgewënner ass, dat spillt an eisem demokratesche Wahlsystem also keng entscheedend Roll. Et ass just ee vu ville Facteuren, déi d’Zesummesetzung vun enger Regierungskoalitioun bestëmme kënnen: nieft der Mathematik ass dat och d’politesch Programmatik an d’Fro, wéi eng Binetten mateneen kënnen a wëllen.

Dat alles kann een elo gutt oder schlecht fannen, mä eise System gesäit da nu mol sou fir. Amplaz eis Demokratie ze begruewen an iwwert e vermeintlech net erfëllte Wielerwëllen ze soueren, wier et also éischter ubruet, iwwert eise Wahlsystem nozedenken.

Mä emol dovun ofgesinn: wien zu Käerjeng beim Begriefnes genee hi gekuckt huet, dee konnt feststellen, datt de Sarg eidel wor. Eis Demokratie – an dat schéngt leider kaum een ze intresséieren – gouf nämlech net réischt de 17. Oktober, mä scho virum 9. Oktober, an och net feierlech begruewe, mä bei liewegem Leiw hannerhälteg ënnert engem grousse Stouss Zeitungspabeier verscharrt.

Trennung vu Partei an Zeitung

Datt eis Dageszeitungen parteipolitesch gebonne sinn, dat ass näischt neits. Nei ass awer vläit d‘Tatsaach, datt dës Medien dowéinst eng Gefor fir eis Demokratie duerstellen. Zumindest behaapten ech dat am Folgenden.

Et kéint ee jo mengen, datt de Medien speziell a Wahlkampfzäiten d’Verantwortung géigeniwwer der Gesellschaft an der Demokratie zoukënnt, de Wieler sou objektiv a neutral ewéi méiglech iwwert d’Parteien opzeklären, déi zur Wahl stinn. Wäit gefeelt! Gewëssen Dageszeitungen hu sech am Virfeld vun der Wahl lues awer sécher zu parteipolitesche Propagandainstrumenter entartet. Mat Informatioun an Opklärung hat dat guer näischt méi ze dinn, ëm sou méi dofir awer mat bewosster a systematescher Verzerrung vum politesche Wettbewerb.

Un dëser Stell sollt vläit gesot ginn, datt Journalisten duerchaus eng eege Meenung sollen formuléieren a publizéieren dierfen. Et ass och schwéier, fir keng ze hunn. Mä et besteet awer ee fundamentalen Ënnerscheed doran, ob een als Journalist eng politesch Positioun verdeedegt, déi dir vun enger bestëmmter Partei ähnlech ass, oder ob een eng bestëmmte Partei als solch strukturell privilegéiert, wéi et zu Lëtzebuerg a gewëssen Dageszeitunge Usus ass.

An deem Kontext stellt sech och d’Fro nom Verhältnis tëscht der Pressehëllef an der Parteiefinanzéierung: misst eng Zeitung, déi mat Steiergelder finanzéiert gëtt, net och un eng gewësse Fairness a parteipolitesch Neutralitéit gebonne sinn? Mir reegen eis zu Recht doriwwer op, datt mer mat eise Steiergelder beispillsweis eng kathoulesch Kierch finanzéieren mussen, déi Fraen an Homosexueller diskriminéiert. Mä misste mer eis dann net och emol doriwwer beschwéieren, datt mer mat eise Steiergelder Medienhaiser finanzéieren, déi de fairen demokratesche Wettbewerb torpedéieren?

Wann an engem Land, dat sech um Wee zur Demokratiséierung befënnt, esou Verhältnisser vu Wahlbeobachter oder auslännesche Medien registréiert ginn, dann ass vu politescher Korruptioun riets. Zu Lëtzebuerg awer schéngen déi Verhältnisser selbstverständlech. Wahlbeobachter hu mär hei jo keng, déi auslännesch Medien intresséieren sech net fir eis, an eis Politiker traue sech net, d’Journalisten ze kritiséieren, dëst an der (berechtegter?) Angscht, zukünfteg boykottéiert ze ginn.

Wëll de Wieler därmoosse vun der Press manipuléiert ginn?

Zréck zum Wielerwëllen: Soulaang wei mer kee faire politesche Wettbewerb hunn, ass et zimlech irrelevant, op de Wielerwëllen richteg oder falsch interpretéiert gëtt. Wann elo an der Chamber iwwert eise Wahlsystem debattéiert gëtt, da muss dofir och dréngend iwwert de Rôle vun de Medien an eiser Gesellschaft diskutéiert ginn, virun allem a Wahlkampfzäiten. Et gëtt héich Zäit fir d’Trennung vu Partei an Zeitung!

Offener Brief an die Tageblatt-Redaktion: Luxemburg – ein Zweiparteienstaat?

Liebes Tageblatt,

Mit Blick auf die Gemeindewahlen vom 9. Oktober bietest du deiner Leserschaft täglich eine Rubrik, in deren Rahmen die politische Situation in den jeweiligen Gemeinden beleuchtet wird. So weit, so löblich.

Aus politikwissenschaftlicher Sicht aber kommt die Umsetzung dieser Rubrik einem Supergau in Sachen fairer politischer Wettbewerb gleich. Zu Wort kommen nämlich jeweils nur der Bürgermeister und der „Sprecher der Opposition“. Würden wir in einem Zweiparteiensystem leben, wäre dieser Ansatz sicherlich ganz vernünftig; in Luxemburg aber, wo das politische System durch ein Vielparteiensystem geprägt ist, in dem üblicherweise mehr als nur eine Partei regiert, bzw. opponiert, verfehlt er die politische Realität leider komplett.

Indem das luxemburgische Vielparteiensystem durch die Brille eines Zweiparteienstaates beleuchtet wird, gehen wichtige Aspekte der politischen Dynamik verloren, was zur Verzerrung und Verstümmelung der politischen Realität führt. Auch der kleine Koalitionspartner sowie die kleineren Oppositionsparteien, die in dieser Rubrik ausgeblendet bleiben, tragen nämlich zu dieser Realität bei.

Von der kommunalen auf die nationale Ebene übertragen, würde dieser Ansatz das politische Spektrum auf CSV und DP als stärkste Regierungs- bzw. Oppositionspartei reduzieren. Würde dies der Tageblatt-Leserschaft eine komplette und realitätsnahe Sicht auf die nationale Politik bieten, ihr helfen, die richtige Entscheidung bei der bevorstehenden Wahl zu treffen? Ich denke nicht.

Der Ansatz verfälscht also nicht bloß die Wahrnehmung der politischen Realität, er untergräbt vor allem auch die faire politische Wahl, ein Grundpfeiler der Parteiendemokratie, da jeweils nur zwei Parteien von, je nach Gemeinde, mindestens drei zu Wort kommen.

Ob diese Form der Berichterstattung nun absichtlich, mit politischem Kalkül oder versehentlich, aus logistischen Gründen oder nur aus Dusseligkeit erfolgt, sei dahingestellt; bedauerlich ist sie allemal. Gewiss besteht die journalistische Freiheit, selber über das Konzept der Berichterstattung zu bestimmen; die Frage aber, ob der Journalismus gegenüber dem Wesen des politischen Systems und damit auch gegenüber dem Prinzip der fairen Wahl nicht auch eine gewisse Verantwortung zu tragen hat, dürfte an dieser Stelle trotzdem berechtigt sein.

Manuel Huss

„Dogmatik pur in grüner Soße“

Im Tageblatt vom 22. August schreibt Claude Molinaro in seinem Leitartikel von „Dogmatik pur in grüner Soße“. Klimaschützer, insbesondere Grüne, seien die Anhänger einer neuen Religion, die an den anthropogen verursachten Klimawandel glauben, wie gläubige Christen an ihre religiösen Dogmen. Wirklich neu ist diese Einschätzung nicht, in Luxemburg wird sie in großer Regelmäßigkeit von Robert Goebbels ins Feld geführt. Interessant ist sie in diesem Fall dennoch, zumal ihre Prämisse im Ansatz nicht falsch ist.

Der Autor, im Gegensatz zum dogmatischen Weltbild monotheistischer Religionen, mit denen er Klimaschützer vergleicht, relativiert nämlich zu Recht die Rolle des Menschen auf dessen Heimatplaneten. Damit verweist er – bewusst oder unbewusst – auf die Tatsache, dass es sich beim irdischen Klima um ein chaotisch-deterministisches System handelt, in dem es für einen möglichen Wandel unzählige potentielle Ursachen gibt, deren exakte Nachvollziehbarkeit für das menschliche Erkenntnisvermögen aber wegen der systeminternen Komplexität  kaum möglich, zumindest sehr reduziert ist. Der anthropogene Einflussfaktor auf das Klima (Treibhausgase) ist eine maßgebliche  potentielle Ursache für einen Klimawandel; neben geologischen und kosmischen aber gewiss nicht die einzige. Das jedoch heißt keinesfalls, dass der Mensch am Wandel keine Schuld trägt, und schon gar nicht, dass er weiterhin und ohne Rücksicht auf seine Umwelt, die verbleibenden fossilen Ressourcen verbrennen sollte; weder aufgrund einer kapitalistischen noch einer sozialistischen Logik. In komplexen Systemen nämlich reicht der berüchtigte Flügelschlag eines Schmetterlings aus, um einen Orkan auszulösen. Für eine gewaltige Lawine kann die Last einer einzelnen Schneeflocke verantwortlich sein, in etwa so, wie der einzelne Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt. In diesem Sinne kann auch der anthropogene Einflussfaktor auf das Klimasystem der Erde betrachtet werden.

Fakt ist, dass der Mensch das irdische Klima nicht alleine beeinflusst, Fakt ist aber auch, dass er durch seine Teilnahme am System einen Einflussfaktor darstellt. Und wenn man davon ausgehend bedenkt, dass zu den Folgen eines Klimawandels unter anderem katastrophale soziale Verwerfungen zählen (Überschwemmungen, Seuchen, Dürren, Hungersnöte, Migration und ihre sozialen Folgen), dann handelt es sich nicht um einen dogmatischen, sondern um einen vernünftigen Schritt, dem Prinzip der Vorsorge zu folgen, und zumindest den anthropogenen Faktor einzuschränken, um damit das Klima zu schützen, soweit es eben in unserer Macht steht. Wenn von unser aller Lebensgrundlage die Rede ist, und (noch) keine endgültige Erklärung für deren Schieflage zur Verfügung steht, dann ist zu viel Vorsicht sicherlich besser als zu wenig…

Und einmal gänzlich vom Klimawandel abgesehen, wäre es alleine schon aus Gründen der Ressourcenknappheit auch wirtschaftlich und sozialpolitisch sinnvoll, sich schnellstmöglich von der Abhängigkeit fossiler Schätze loszusagen.

Doch zurück zu den „Anhängern der grünen Klimareligion“. Der Logik des Leitartikels zufolge scheint der Klimaschützer, der den Argumenten der „Mainstreamwissenschaft“ folgt, ohne deren Erkenntnisse zu hinterfragen, kein Meinungsvertreter, sondern ein Gläubiger zu sein. Müsste, gemäß derselben Logik, dann nicht auch der sozialdemokratische Kapitalismuskritiker, der beispielsweise den Argumenten eines Alvin Sold folgt (die ich an dieser Stelle nicht in Frage stelle), ohne dessen Erkenntnisse zu hinterfragen (wie viele Tageblattleser und Bürger sind dazu überhaupt in der Lage?), nicht auch ein Gläubiger, ein Anhänger der sozialdemokratischen Glaubenslehre sein? Ich denke nicht, und meine eher, dass wir es im zitierten Leitartikel mit einer Begriffsverwirrung zwischen Glaube und Meinung zu tun haben.

„Et mierkt een, datt Wahlkampf ass…“

„Et mierkt een, datt Wahlkampf ass…“  Virun allem Journalisten tendéieren dozou, sech süffisant iwwert dat politescht Phänomen auszeloossen. Kierzlech war et och am Tageblatt nees souwäit. Do beschwéiert sech de Journalist doriwwer, datt d’Kandidate vun him verlaangen, iwwert si an hir Programmer ze berichten. De Kandidat gëtt hei stigmatiséiert als e lästegt, penibelt an insgesamt onerwënschtent Wiesen. Dobäi kéint ee glat vergiessen, datt et hei ëm déi Leit geet, déi de Courage a virun allem d’Nerven hunn, fir sech enger zimlech ondankbarer Verantwortung an hirer Gemeng ze stellen.

Wann een sou Artikele liest, da brauch ee sech och guer net méi ze wonneren, datt d’Leit ëmmer méi politikverdrosse ginn. Am léifste wéilt ech schreiwen: „Pak deng Valise a wander a Nordkorea aus, do gëss de weder vu fräie Wahlen nach vu konkurréierende Parteie belästegt!“ Mee da ech jo kengem nordkoreanesch Verhältnisser wënschen, géif ech dann éischter dofir plädéieren, datt mer (d’Journalisten inclus) eis freeë sollten, sou dacks an de Genoss vu Wahlkämpf ze kommen.

Wahlkampf ass nämlech e noutwennege Bestanddeel vun der parlamentarescher Demokratie. Et ass dobäi kee noutwennegt Iwwel, mä et ass eppes Positives: d’Leit ginn (deels ongewollt) mat Politik konfrontéiert, dat steigert d’Chance, datt se sech domat ausernee setzen. An engem Land mat Wahlpflicht ass dat zimlech sënnvoll.

Zu Gast im Land: „Zu Gast im CSV-Staat“ (III)

(via d’Land 17/06/11 – zu Gast im Land)

1998, im Rahmen der Debatte um die Konventionierung der Glaubensgemeinschaften, hat der damalige Parteipräsident der LSAP, Jean Asselborn, darauf hingewiesen, dass die Zeit für die Trennung von Kirche und Staat noch nicht reif sei, in 10 Jahren aber längst eine Selbstverständlichkeit sei. Rund 13 Jahre später, am 7. Juni 2011, wurde dieses Versprechen auf den Prüfstein gestellt, und wiederum sah sich die LSAP genötigt, den Fortschritt zu vertagen – diesmal vorsichtshalber, ohne eine Frist zu bestimmen.

Nach wie vor also verweigert sich die CSV der gesellschaftlichen Realität, während sich die LSAP weiterhin in politischer Schizophrenie übt: die Sozialdemokraten sprechen sich zwar klar und deutlich für die Trennung von Kirche und Staat aus, lehnen im Parlament aber selbst eine Motion der Grünen ab, die lediglich eine offene und ehrliche Diskussion über die Verhältnisse zwischen Staat und Weltanschauungen einfordert. Am 7. Juni wurde somit erneut bestätigt, dass CSV und LSAP keineswegs auf gleicher Augenhöhe operieren, sondern die LSAP lediglich zu Gast im CSV-Staat ist. Mit ihrem chronischen Schlucken und Ducken quer durch die Politikfelder demonstriert die LSAP-Spitze ihre Hilflosigkeit gegenüber der Krise der Sozialdemokratie und frustriert die eigene Basis samt Jusos, die in der Laizismus-Frage im Gegensatz zu ihrer Mutterpartei zumindest noch über eine gewisse Glaubwürdigkeit verfügen.

Aus Sicht der CSV könnte der 7. Juni als kontrollierte Bruchlandung gewertet werden: der kleine Koalitionspartner wurde beherrscht und mit dem Vorschlag eines Referendums zur verzweifelten Flucht nach vorn getrieben. An den Grundfesten der Privilegierung der katholischen Kirche wurde nicht gerüttelt. Im Gegenteil: die weltanschaulich ungerechten Konventionen wurden durch die Motion der Mehrheitsparteien bestätigt und riskieren durch das trojanische Pferd, der geplanten Einführung der Maison de la Laicité, zusätzlich zementiert zu werden.

Doch hat die Debatte am 7. Juni auch Positives bewirkt: auf Druck der Grünen konnte seitens der CSV das Eingeständnis erzwungen werden, dass die Verhältnisse zwischen Staat und Kirche(n) reformbedürftig sind. Das Dekret von 1809 soll nun reformiert werden, ebenso wird über einen weltanschaulich neutralen Festakt am Nationalfeiertag nachgedacht, und eine „groupe de réflexion“ soll sich mit den zukünftigen Verhältnissen zwischen dem Staat und weltanschaulichen Organisationen befassen. Damit haben die Grünen aus der Opposition heraus mehr erreicht als die vermeintlich laizistische LSAP in der Regierung.

Nach der Orientierungsdebatte gilt es nun inner- wie außerparlamentarisch den Druck auf die Regierung zu erhöhen und auf den kleinen Zugeständnissen aufzubauen, welche die CSV/LSAP-Motion in Aussicht stellt. Gerade aber bei der angekündigten „groupe de réflexion“ ist Vorsicht geboten, denn sollte es sich hierbei um ein regierungsinternes Instrument handeln, das die aktuellen Machtverhältnisse zwischen CSV und LSAP widerspiegelt, riskiert es notgedrungen zur Farce zu verkommen. Vielmehr, wie es déi gréng vorgeschlagen haben, müssten alle betroffenen Akteure, Glaubensgemeinschaften wie auch Vertreter der atheistischen Interessengruppen, gleichberechtigt in ein solches Gremium eingebunden werden! An Zusammensetzung und Funktionsweise dieser „groupe de réflexion“ wird sich messen lassen, ob die CSV für eine offene und ehrliche Debatte auf dem Fundament der gesellschaftlichen Realität bereit ist.

Sokrates.lu mécht seng Dieren zou

(via Sokrates.lu)

Léif Sokratikerinnen & Sokraten,

Als e Grupp vu puer Studenten hu mir virun 4 Joer de Projet Sokrates.lu gestart. Mir wollten eng Plattform schafen fir „Kommunikatioun a Widderstand“ géint dat, wat eis zu Lëtzebuerg net gefall huet. Déi meescht vun eis si mëttlerweil keng Studente méi, a wann een zréck bléck, da stelle mer fest: freck wéi idealistesch wore mer, a wore mer net fuerchtbar naiv?

Jo, mir ware naiv, a mir si stolz drop. Zu Lëtzebuerg heescht naiv nämlech näischt anescht, ewéi datt een sech fir eng Saach staark mécht, a net schon apriori resignéiert, fräi nom Motto: „et huet dach kee wäert“.

Lëtzebuerg ass haut zwar nach ëmmer dat selwecht konservatiivt Marieländchen ewéi viru 4 Joer, ma erreecht hu mer trotzdem villes. Mir hunn 2009 zesumme mat der ADMD-L an dem Tageblatt mat eiser Stierfhëllef-Petitioun méi Ënnerschreften gesammelt ewéi d’Wort mat hirem ganze kathouleschen Apparat, an hunn domat och zum Succès vum Stierfhëllef-Gesetz bäigedroen. Op d’Initiativ vu Sokrates.lu hin, gouf och d’Bündnis fir d’Trennung vu Kierch a Stat gegrënnt, wou sech d’Liberté de Conscience, d’UNEL, d’Jonksozialisten, déi jonk gréng, déi jonk liberal an déi jonk lénk e gemeinsame Nenner ginn hunn, fir e gemeinsamen Asaz a Richtung Trennung vu Kierch a Stat. Iwwerhaapt hu mir déi verstëppsten Thematik frësch opgeschafft an erëm op d’politesch Agenda gesat. Wann dëser Deeg an der Chamber iwwert d’Verhältnisser tëscht Kierch a Stat debattéiert gëtt, da si mir doru net ganz onschëlleg. De leschten Akt vu Sokrates.lu wäert dann och d’Iwwerreechung vun der Petitioun fir d’Trennung vu Kierch a Stat de 7. Juni an der Chamber sinn.

Mee d’Trennung vu Kierch a Stat war net alles, woufir mir eis agesat hunn. Mir haten och d’Chance ganz vill aner flott Projeten am Kader vun Sokrates.lu an zesummen mat ganz villen politesch a sozial motivéierten Leit ze realiséieren. Dozou gehéiert z.B. d’Matorganisatioun vun den éischten Freedom Fear Demonstratiounen, déi elo zum alljährlechen Event gi sinn. Dozou gehéiert awer och d’Petitioun zum Avortement-Gesetz, eis Froen un d’Parteien während de leschten Nationalwalen, eis Live-Berichterstattung vum Klimagipfel zu Kopenhagen, etlech Interviews an Zeitungsartikel an natierlech och eis iwwer 500 hausgeschriwwen Artikelen, déi d’Entwécklung zu Lëtzebuerg an de leschten Joren begleet hunn. Dat an nach vill méi konnten mir beweegen, zesummen mat eiser Lieserschaft an de sellegen Leit, déi eis all déi Joer ënnerstëtzt hunn.

Mee et geet jo och net ëmmer nëmmen dorëms, wat een erreecht huet, och de Wee zu engem Zil, ob een do ukënnt oder net, ass derwäert ze trëppelen. An deem Sënn hate mir hei ganz flott, intressant an awer och haart Diskussiounen. D’Leit si komm a gaang a verschiddener waren vun Ufank bis zum Schluss dobäi. Speziell hinne wëlle mir och Merci soen!

Wisou maache mir de Buttek zou?

Als éischt, a ganz nüchtern, aus Zäitgrenn. Weinst aneren Engagementer hu mir net méi déi Zäit, fir eis ëm de Projet ze këmmeren, ewéi viru 4 Joer. Mir hunn de Site a leschter Zäit noutgedrongen misste vernoléissegen, mir konnte net méi op alles reagéieren, mir konnte kaum méi schreiwen, an deels si mer vu Spamattacken iwwerrannt ginn. Mir wollten Sokrates.lu awer och net u friem Hänn weider ginn, dofir ass eis de Projet vill ze vill un d’Häerz gewuess.

Anersäits hu sech eis Uspréch un sou e Projet am Laaf vun de leschte Joer och geännert. Et sinn ëmmer méi Features bäi komm, Sokrates.lu ass ëmmer méi komplex an oniwwersiichtlech ginn. Mam urspréngleche Konzept, dat haut ëmmer nach dominant duerchliicht, kenne mir eis net méi richteg identifizéieren, a virun allem gi mer em net méi gerecht. Dat gesäit ee ganz däitlech, wann een an déi eenzel thematesch Ressorten kucke geet.

Mir halen also op, an dat ass gutt esou, well mir wëlle net materliewen, wéi eise Projet, an dee mir esouvill Energie gestach hunn, viru sech hi vegetéiert, dohisiicht, bis en iergendwann palliativ sedéiert gëtt. Neen, mir wielen d’Euthanasie.

Mee mir wielen méi wéi dat. Et kéint ee jo lo mengen, mir hätte bäigeléiert, hätten eis Naivitéit ofgeluecht, a wiere komplett an d’Lethargie vun der lëtzebuergescher Politkultur iwwergaange. Do musse mer iech enttäuschen! Mir sinn nämlech haut nach ëmmer genee sou naiv wéi deemools. Mir hu glat a guer näischt bäigeléiert, an dofir: „Welcome Journeylist!“

 

 

Coming soon…

Grüner Zeitgeist? – II

Als grousse Fan vun der Sozialdemokratie freeën ech mech natierlech iwwert all Feedback, deen ech aus dem sozialdemokratesche Lager kréien. Folgende Kommentar ass eng Reaktioun op dem Christophe Schiltz seng Reaktioun op meng Reaktioun op e Leitartikel vum Janina Strötgen am Tageblatt. Ech ginn elo net op alles an, well ech dat Wichtegst schon a mengem initiale Kommentar duergeluecht hunn.

Een dovun ass de Versuch verschidden schwaarz-gréng Bündnisser an Däitschland ze verteidegen an se matt der schwaarz-rouder Koalitioun hei am Land gläichzesetzen.

Ech muss do als éischt emol eppes richteg stellen: ech probéieren op guer kee Fall, schwaarz-gréng Koalitiounen an Däitschland ze rechtfäerdegen. Am Géigesaz: esou Bündnisser gehéiere verhënnert, genee esou wéi schwaarz-rout Bündnisser verhënnert gehéieren, an iwwerhaapt Bündnisser, an deenen déi schwaarz vertruede sinn. Dobäi well ech awer och soen, datt et an Däitschland wesentlech méi rout-gréng oder gréng-rout Bündnisser gëtt ewéi schwaarz-(giel)-grénger. Deng These trefft am Moment op een eenzegt Bundesland (Saarland) zou, während déi rout-gréng Bündnisser massiv zouhuelen. Kee Grond zur Panik also!

Wat een an deem Kontext awer och muss soen: d’Striewe no Muecht an e gewëssen Opportunismus gehéieren zum politesche Menü dozou – natierlech net als eenzeg Zoutat. Däin Bäitrag ass jo usech dee beschte Beweis dofir: du mëssbrauchs d’Meenungsverschiddenheet tëscht dem Janina Strötgen a mir iwwert den Opschwong vu grénge Parteien, fir dech selwer kommunalpolitesch an Szene ze setzen. Méi opportunistesch geet et jo net. Ech fannen dat ok, a wanns de och inhaltlech eppes ze bidden hues, dann ass dat nëmmen hallef sou schlëmm ewéi et klengt.

Mee och zu Lëtzebuerg surfen déi Gréng am Moment op enger Post-Fukushima-Well. An och zu Lëtzebuerg, an insbesonnesch an der Stad Lëtzebuerg, sinn d’Positiounen an d’Politiken vun de Gréngen geprägt duerch e Manktem u Profil a eng gutt Portioun onverschimtem Opportunismus.

Du gees dobäi an dengem Kommentar exklusiv op d’Stater Lokalpolitik an. Ech tendéiere jo dozou, kommunal a national Politik auserneen ze halen, mä ech hunn awer och kee Problem domat, fir iwwert Gemengepolitik ze diskutéieren. Als Net-Stater kennen ech mech mat der Stater Kommunalpolitik awer net gutt genuch aus, fir driwwer ze befannen. Ech leeden d’Kritik awer gären u meng Stater Kollege weider. Just eng kleng Fro um Rand: mat wiem wéilten d’Stater Sozialdemokraten dann am léifste koaléieren no de Wahlen? Mat blo, gréng oder schwaarz?

Zum Virworf, déi gréng géifen fir den Turbo-Kapitalismus stoen well ech dann awer drop hiweisen, datt d’LSAP och bei dem Thema besser hätt, als éischt virun der eegener Dier ze kieren: ech well do just op d’Konsumtempel-Pläng vum LSAP/Becca-Konsortium verweisen an op d’Wirtschaftspolitik vum Jeannot Mittal, deen beim Thema globale Kapitalismus därmoossen op den Turbo dréckt, datt souguer Mënscherechter lénks leie bleiwe mussen (Saudi-Arabien, China, etc.).

Et gëtt Zäit dass déi Gréng entzaubert gin an als dat duergestallt ginn wat se momentan och sinn. Eng opportunistesch Partei déi net gewëllt ass fir eng sozial staark Gesellschaft ze kämpfen. Oder souguer och nëmmen fir eegen Ideeën an Iwwerzeegungen. Eng Partei déi all Koalitioun ageet soulaang si un d’Muecht ka kommen.

Ech sinn absolut domat d’accord, datt et un der Zäit ass, déi gréng ze entzauberen an als dat duerzestellen, wat se wierklech sinn. Dat géif nämlech viraussetzen, datt sech déi Entzauberer mat grénger Politik auserneen setze missten an dobäi och vläit eppes bäiléiere géifen. An et wier eng gutt Geleeënheet, fir mat enger ganzer Parti Virurteeler opzeraumen, déi zu menger grousser Enttäuschung leider och vu Sozialdemokraten an d’Welt gesat a geschürt ginn.

Dann zu dengem Virworf, déi gréng géifen et refuséieren, fir eng sozial staark Gesellschaft ze kämpfen. Emol dovun ofgesinn, datt déi Ausso keng erkennbar Substanz huet, kéint een se och ouni weideres op d’LSAP uwenden. Do kéint een de Begrëff „sozial“ dann awer och nach duerch allméiglech aner Attributer ersetzen.

Zum Engagement fir déi eegen Iddien: wiem seng Partei-Basis rebelléiert da grad géint hir Parteispëtzt, well se sech an der eegener Politik net méi erëmerkennt? Déi gréng Basis oder déi vun der LSAP?

Natiirlech wär och meng Wonschvirstellung déi vun enger rout-grénger Partnerschaft, mä dofir missten déi Gréng den Courage hunn sech als Lénks-Partei ze bekennen, an nëtt hiren opportunisteschen “wir können mit allen”-Kurs weiderzefueren.

Wéi ech och schons am initiale Kommentar geschriwwen hunn: éischtens gëtt et keen opportunistesche „wir können mit allen“-Kurs, et gi just politesch Positiounen an Analysen, déi no Kompatibilitéiten mat anere Parteien sichen. Zweetens a virun allem fannen ech et zimlech surreal, wann déi gréng vun der LSAP eng vermeintlech Oppenheet fir d’CSV ënnerstallt kréien an dofir kritiséiert ginn, während d’LSAP gläichzäiteg selwer an enger Koalitioun mat der CSV setzt.

Elo awer genuch Polemik. Dat mécht zwar Spaass, ass awer net all ze konstruktiv. Virun allem dann net, wa mer eis allebéid rout-gréng (oder gréng-rout) wënschen.

Atheismus & Laizismus – „Hu mir da soss keng Problemer?“

(Mein Beitrag für Kulturissimo 06/11)

Ich bin kein Freund von Religion und scheue mich auch nicht davor, sie öffentlich zu kritisieren. Damit laufe ich natürlich Gefahr, bei religiösen Mitmenschen anzuecken, sie gar zu beleidigen. Muss das sein? Wieso kann ich sie nicht einfach glauben lassen, was sie wollen?

Als Atheist wird einem in der Tat oft vorgeworfen, man sei intolerant, und in gewisser Weise bin ich es auch, denn Religion empfinde ich aus philosophischer Perspektive als dermaßen unerträglich, dass ich nicht anders kann, als sie überwinden zu wollen. Gleichzeitig bin ich aber auch der festen Überzeugung, dass jeder Mensch frei denken oder glauben dürfen soll, was er für angemessen hält. Aus diesem Grund würde ich im Traum nicht daran denken, jemandem über politische Wege seinen Glauben verbieten zu wollen. Religion kann, soll und darf nicht mit repressiven Mitteln überwunden werden, vielmehr soll sie mit guten Argumenten angefochten werden – und deren gibt es genug! Für so manchen Religionsverfechter ist das aber schon zu viel des Guten, so dass er sich genötigt fühlt, mit erhobenem Zeigefinger Toleranz zu predigen. Was er jedoch vergisst: Toleranz stammt vom lateinischen tolerare ab und heißt so viel wie erdulden, und eben das schließt Kritik keineswegs aus: im Gegenteil, in einer modernen pluralistischen Demokratie müssen dulden und kritisieren Hand in Hand gehen können. Wenn religiöse Menschen Religionskritik als beleidigend empfinden, dann ist das – Meinungsfreiheit sei Dank – schlichtweg ihr Problem.

Ich bin also Atheist, und zwar einer von der „ganz üblen Sorte“, wie sie seitens katholischer Bischöfe gerne als fundamentalistisch und unmenschlich bezeichnet werden. Und das nur, weil ich die heiligen Schriften für erfundene Märchen und die Existenz eines katholischen Schöpfergottes für in etwa so wahrscheinlich halte wie jene eines fliegenden Spaghettimonsters. Zwar kann ich die Existenz dieser Phantasiegeschöpfe nicht mit 100%iger Wahrscheinlichkeit widerlegen, weil es für beide aber nicht den Hauch von stichhaltigen Indizien gibt, spielen sie – so wie Zeus, Thor, Kobolde und Feen auch – in meinem Leben nicht den Hauch einer Rolle.

Als Atheist pflege ich eine naturalistisch geprägte Weltsicht. Ich weiß, wie Sokrates schon wusste, dass ich vieles (zumindest noch) nicht weiß, und dass es das stete Hinterfragen ist, was den Menschen geistig am Leben hält. Die religiöse Vorstellung eines abgeschlossenen, nicht hinterfragbaren Weltbildes hingegen, in dem ich und die ganze Welt von einem allmächtigen Gottwesen erschaffen und mit Sinn versehen wurden, empfinde ich als öde, traurig und verkümmernd.

Als Atheist, obwohl dies oftmals in Frage gestellt wird, verfüge ich auch über eine Ethik. Anders aber als die Religion, die ihre Moralvorstellungen aus antiken Märchen ableitet und die Menschheit damit seit jeher gespalten hat, baut der Atheist seine Ethik auf dem auf, was alle Menschen verbinden: das Menschsein. Im Gegensatz zu religiösen Dogmen ist ein naturalistisches Weltbild nämlich dazu in der Lage, die menschlichen Bedürfnisse in ihrer Wirklichkeit zu erfassen, und kann somit den Ansprüchen nach Selbstbestimmung und Gerechtigkeit aller Menschen genügen. Der Atheist ist also auch Humanist.

Trennung von Kirche und Staat

Als Atheist bin ich aber auch Laizist, in anderen Worten für die Trennung von Kirche und Staat. Doch sind nicht alle Laizisten automatisch auch Atheisten. Es gibt beispielsweise auch viele Katholiken, die sich für die Trennung von Kirche und Staat aussprechen, da dies ihre Religion wesentlich glaubwürdiger machen würde.

Aus diesem Grund ist es notwendig, klar und deutlich zwischen den Begriffen Atheismus und Laizismus zu differenzieren. Der sogenannte „Neue Atheismus“ ist eine Weltanschauung, deren Humanismus auf einem naturalistischen Weltbild aufbaut. Es handelt sich dabei um eine philosophische Position. Der Laizismus hingegen ist keine Weltanschauung, sondern betrifft die politische Ordnung: er verlangt einen Staat, der sich gegenüber allen Weltanschauungen und Religionen (Atheismus inbegriffen) neutral verhält, sie als reine Privatangelegenheit begreift und keine privilegiert.

Eben davon sind wir in Luxemburg aber weit entfernt: Allein die katholische Kirche kostet den Steuerzahler jährlich mehr als 50 Millionen €. Bedingt sind diese Verhältnisse durch eine Gesetzgebung, die aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts stammt. Wenn man nun bedenkt, dass laut einer rezenten CEPS-Studie über Religion in Luxemburg nur noch weniger als ein Drittel der Bevölkerung an die Existenz eines personifizierten Schöpfergottes glaubt, wie ihn die katholische Kirche predigt, dann wird sehr schnell ersichtlich, dass die aktuellen Verhältnisse zwischen Staat und Kirche der gesellschaftlichen Realität im 21. Jahrhundert nicht mehr genügen und dass eine Reform mehr als überfällig ist.

Die Trennung von Kirche und Staat bedeutet aber nicht, dass Weltanschauungen, religiöse wie nicht religiöse, keine Rolle mehr spielen dürfen. Sie sind für die Wertvorstellungen in einer Gesellschaft von konstitutiver Bedeutung und – man bedenke die Debatten über Sterbehilfe oder Schwangerschaftsabbruch – genuin politisch geprägt. Folglich ist es erforderlich, dass der Staat gegenüber Weltanschauungen ein ähnlich sensibles Verhältnis pflegt wie beispielsweise gegenüber politischen Parteien, insbesondere dann, wenn es um finanzielle Verhältnisse geht. Die Mechanik der Parteienfinanzierung ermöglicht nämlich eine Verteilung von Geldern, die sich zumindest ansatzweise proportional zur gesellschaftlichen Realität verhält: je mehr Stimmen eine Partei erhält, umso mehr Mittel stehen zur Verfügung.

Denselben Anspruch müssten wir auch mit Blick auf den Umgang mit Weltanschauungen erheben, und in der Praxis kann das nur heißen, dass jeder Bürger selber bestimmen können muss, ob er eine Religionsgemeinschaft oder eine andere weltanschauliche Organisation finanziell unterstützen möchte oder nicht. Artikel 20 der luxemburgischen Verfassung sieht das übrigens genau so: « Nul ne peut être contraint de concourir d’une manière quelconque aux actes et aux cérémonies d’un culte (…) » Allzu ernst scheinen wir das bisweilen aber nicht zu nehmen!

Wie ein verhältnismäßigerer Umgang mit religiösen und weltanschaulichen Organisationen letztendlich in der Praxis umzusetzen ist, in Form einer radikalen Trennung von Kirche und Staat oder möglicherweise über den Weg einer freiwilligen Kirchensteuer, das müssen die politischen Parteien aushandeln. Im Kern eines jeden gangbaren Modells muss aber stets das Prinzip der Selbstbestimmung des Einzelnen stehen. Dies nicht bloß aus Gründen der weltanschaulichen Gerechtigkeit, sondern auch, weil der Staat mit der katholischen Kirche eine Organisation privilegiert, welche die Gleichheit von Mann und Frau immer noch nicht anerkennt, homosexuelle Menschen aufs Übelste verleumdet und zu diskriminieren versucht, und insgesamt eine Sexualmoral propagiert, die an Realitätsferne und Unmenschlichkeit allenfalls noch von den Taliban zu überbieten ist. Und gerade dieser Organisation erlauben wir das Privileg, unseren Kindern in der Schule „Moral“ zu lehren…

Trennung von Kirche und Schule

Die Aufteilung der Kinder in den Religionsunterricht einerseits und die „Morale Laique“ anderseits wird seitens der katholischen Kirche zwar gerne als Pluralismus angepriesen, hat damit aber rein gar nichts zu tun: wenn die katholische Anschauung mit einem eigenen Religionsunterricht privilegiert wird, während sich die restlichen Weltanschauungen in einem gemeinsamen Sammelbecken wiederfinden müssen, so kann von Pluralismus wahrlich keine Rede sein! Es handelt sich dabei eher um eine unnötige Segregation, eine Verschubladung der Kinder aufgrund der Religionszugehörigkeit ihrer Eltern, und sie ist pädagogisch in etwa so sinnvoll, als würde man die Schüler beim Philosophieunterricht in einen aristotelischen und einen platonischen Kurs aufteilen.

Eine solche Art von „Pluralismus“ ist in der Schule, gerade bei der Wertevermittlung, wo es auch um den Zusammenhalt der Gesellschaft geht, ganz klar das falsche Konzept. Es geht hier nämlich keineswegs darum, die unterschiedlichen religiösen oder nicht religiösen Überzeugungen der Eltern zu respektieren, sondern vielmehr um eine möglichst freie geistige Entwicklung der Kinder. Und was Kinder betrifft, dürfte eins klar sein: sie verfügen zwar über eine blühende Phantasie, aber religiöse Kinder gibt es gewiss nicht. Es gibt nur Kinder religiöser Eltern. Aus diesem Grund sollten wir sie nicht mit Religion belasten und sie später als mündige Bürger selber entscheiden lassen, welcher Anschauung sie sich hingezogen fühlen – und dies sollte auch für die Kindstaufe gelten!

Trennung von Folklore und Gesellschaftspolitik

Gewiss sind viele Traditionen erhaltenswert, andere hingegen sind es nicht, denn Tradition darf kein Freifahrtschein für jedwede Rückständigkeit sein. Die Kindstaufe ist eine Tradition, die zu überwinden wünschenswert wäre, denn unmündigen Kindern einen religiösen Stempel auf die Stirn zu drücken, ist in etwa so sinnvoll wie ihnen im Säuglingsalter eine politische Parteikarte zu schenken.

Es sind aber solche Traditionen, welche die gesellschaftliche Vormachtstellung der Kirche bewahren. Auch heute noch geben sich viele junge Menschen in der Kirche das Jawort, nicht etwa, weil sie gläubig wären, sondern weil ihnen die Kirche ganz einfach einen attraktiven zeremoniellen Rahmen bietet. In etwa so wie die Festung der Stadt-Luxemburg heute nicht mehr in der Lage ist, die Menschen zu beschützen und ihre Legitimität vielmehr in ihrer Funktion als Touristen-Attraktion behält, so ist auch die katholische Kirche heute nicht mehr im Stande, die Fragen und Sorgen der Menschen zu beantworten. Sie generiert ihre Legitimität vielmehr als (Monopol-) Anbieter folkloristischer Dienstleistungen. Indem die Kirche diese Legitimität auf andere gesellschaftliche Bereiche extrapoliert, erhält sie beispielsweise auch in den Bereichen von Politik und Ethik mehr Gewicht und Relevanz als ihr gemäß der gesellschaftlichen Realität weltanschaulicher Überzeugungen eigentlich zustehen dürfte. Um dem entgegenzuwirken, gilt es das Problem bei der Wurzel zu packen und die Monopolstellung der Kirche im Bereich des Zeremoniellen in Frage zu stellen: es müssen flächendeckend für die gegebenen Anlässe (z.B. Hochzeitsfeiern, Bestattungen) attraktive weltliche Zeremonien angeboten werden, so dass eigentlich nicht-religiöse Menschen nicht mehr genötigt sind, auf religiöse Dienstleistungen zurückzugreifen.

Hu mir da soss keng Problemer?“

So entfährt es so manchem Anhänger des „sicheren Weges“, wenn er mit dieser Thematik konfrontiert wird. Gewiss gibt es andere, akutere Probleme! Würden wir uns aber nur noch um das Beheben der wichtigsten Missstände kümmern, so müssten wir wohl mit Ausnahme der Bekämpfung des Welthungers viele Probleme und Problemchen links liegen lassen. Deshalb: alle Missstände sind es wert, behoben zu werden, und im Falle der Trennung von Kirche und Staat ist das längst überfällig!