Im Tageblatt vom 22. August schreibt Claude Molinaro in seinem Leitartikel von “Dogmatik pur in grüner Soße”. Klimaschützer, insbesondere Grüne, seien die Anhänger einer neuen Religion, die an den anthropogen verursachten Klimawandel glauben, wie gläubige Christen an ihre religiösen Dogmen. Wirklich neu ist diese Einschätzung nicht, in Luxemburg wird sie in großer Regelmäßigkeit von Robert Goebbels ins Feld geführt. Interessant ist sie in diesem Fall dennoch, zumal ihre Prämisse im Ansatz nicht falsch ist.
Der Autor, im Gegensatz zum dogmatischen Weltbild monotheistischer Religionen, mit denen er Klimaschützer vergleicht, relativiert nämlich zu Recht die Rolle des Menschen auf dessen Heimatplaneten. Damit verweist er – bewusst oder unbewusst – auf die Tatsache, dass es sich beim irdischen Klima um ein chaotisch-deterministisches System handelt, in dem es für einen möglichen Wandel unzählige potentielle Ursachen gibt, deren exakte Nachvollziehbarkeit für das menschliche Erkenntnisvermögen aber wegen der systeminternen Komplexität kaum möglich, zumindest sehr reduziert ist. Der anthropogene Einflussfaktor auf das Klima (Treibhausgase) ist eine maßgebliche potentielle Ursache für einen Klimawandel; neben geologischen und kosmischen aber gewiss nicht die einzige. Das jedoch heißt keinesfalls, dass der Mensch am Wandel keine Schuld trägt, und schon gar nicht, dass er weiterhin und ohne Rücksicht auf seine Umwelt, die verbleibenden fossilen Ressourcen verbrennen sollte; weder aufgrund einer kapitalistischen noch einer sozialistischen Logik. In komplexen Systemen nämlich reicht der berüchtigte Flügelschlag eines Schmetterlings aus, um einen Orkan auszulösen. Für eine gewaltige Lawine kann die Last einer einzelnen Schneeflocke verantwortlich sein, in etwa so, wie der einzelne Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt. In diesem Sinne kann auch der anthropogene Einflussfaktor auf das Klimasystem der Erde betrachtet werden.
Fakt ist, dass der Mensch das irdische Klima nicht alleine beeinflusst, Fakt ist aber auch, dass er durch seine Teilnahme am System einen Einflussfaktor darstellt. Und wenn man davon ausgehend bedenkt, dass zu den Folgen eines Klimawandels unter anderem katastrophale soziale Verwerfungen zählen (Überschwemmungen, Seuchen, Dürren, Hungersnöte, Migration und ihre sozialen Folgen), dann handelt es sich nicht um einen dogmatischen, sondern um einen vernünftigen Schritt, dem Prinzip der Vorsorge zu folgen, und zumindest den anthropogenen Faktor einzuschränken, um damit das Klima zu schützen, soweit es eben in unserer Macht steht. Wenn von unser aller Lebensgrundlage die Rede ist, und (noch) keine endgültige Erklärung für deren Schieflage zur Verfügung steht, dann ist zu viel Vorsicht sicherlich besser als zu wenig…
Und einmal gänzlich vom Klimawandel abgesehen, wäre es alleine schon aus Gründen der Ressourcenknappheit auch wirtschaftlich und sozialpolitisch sinnvoll, sich schnellstmöglich von der Abhängigkeit fossiler Schätze loszusagen.
Doch zurück zu den “Anhängern der grünen Klimareligion”. Der Logik des Leitartikels zufolge scheint der Klimaschützer, der den Argumenten der “Mainstreamwissenschaft” folgt, ohne deren Erkenntnisse zu hinterfragen, kein Meinungsvertreter, sondern ein Gläubiger zu sein. Müsste, gemäß derselben Logik, dann nicht auch der sozialdemokratische Kapitalismuskritiker, der beispielsweise den Argumenten eines Alvin Sold folgt (die ich an dieser Stelle nicht in Frage stelle), ohne dessen Erkenntnisse zu hinterfragen (wie viele Tageblattleser und Bürger sind dazu überhaupt in der Lage?), nicht auch ein Gläubiger, ein Anhänger der sozialdemokratischen Glaubenslehre sein? Ich denke nicht, und meine eher, dass wir es im zitierten Leitartikel mit einer Begriffsverwirrung zwischen Glaube und Meinung zu tun haben.
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Merci Manuel, du hues do eng Fro gudd ugepaackt, dei mech well mei laang “ploot”… ech ennerstetzen deng Aschätzung, dass Glaawen a Meenung zwar ähnlech erschengen kënnen… an awer grondleegend verschidde sinn… grad als Wëssenschaftler sinn ech mär quasi all Daag bewosst, dass villes wat “gewosst” ass ennert Experten, kaum bis guer net “novollzeibar” a schons guer net “hannerfrobar” ass fir den (souguer informéierten) “Laien” (sprech Net-Expert)… Dat huet, menger Aschätzung domadder ze dinn, dass – wei’s du et um Beispill vum Klima gudd beschreiws – d’Welt einfach vill mei KOMPLEX ass, wei mär (Laien a Wessenschaftler) eis dat lang Zäit virgestallt hun… Ech denken héi z.b. un den dach gravéierenden Ennerscheed teschend der Physik vum Newton an där vum Einstein…guer net ze schwätzen vu rezenten Entwecklungen dei souguer dem Einstein seng Raum-Zeit relativiséiert…
wou soll een do nach eenz gin… mee ech DENKEN awer, dass d’Alternative och net ka sinn, fir “zreck ze goen” zu engem mei einfachen Weltbild…